Anleitung statt Abhängigkeit

GEO selber machen: Was du in Eigenregie schaffst und wo es hakt

Die gute Nachricht zuerst: Einen großen Teil von GEO kannst du selber machen. Es ist Handwerk, kein Geheimwissen, und die wichtigsten Schritte kosten Zeit statt Geld. Diese Seite führt dich der Reihe nach durch, ohne etwas zu beschönigen. Denn es gibt auch Stellen, an denen Selbermachen regelmäßig scheitert, und die benennen wir genauso klar.

Was du realistisch selbst schaffst

GEO besteht im Kern aus Ordnung, Klarheit und Konsequenz. Für zwei davon brauchst du niemanden.

Wenn du unsere anderen Seiten gelesen hast, kennst du das Prinzip: Antwortsysteme nutzen Inhalte, die klar formuliert sind, sich nicht widersprechen und Fragen wirklich abschließen. Nichts davon erfordert eine Agentur. Es erfordert jemanden, der sein Fach kennt, ehrlich auf die eigene Website schaut und ein paar Monate dranbleibt. Wer das mitbringt, kommt mit den folgenden Schritten weit.


Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Öffne eine Tabelle und trage jede einzelne Seite deiner Website ein. Daneben notierst du in einem Satz, welche Frage diese Seite beantwortet. Wenn dir kein Satz einfällt, hast du das erste Problem gefunden: eine Seite ohne Aufgabe. Wenn dir bei drei Seiten derselbe Satz einfällt, hast du das zweite gefunden: Seiten, die sich gegenseitig das Thema streitig machen. Diese Übung dauert bei einer normalen Firmenwebsite einen Nachmittag und ist der wertvollste Einzelschritt überhaupt.

Schritt 2: Eine Frage pro Seite

Jetzt wird aufgeräumt. Seiten ohne Aufgabe werden zusammengelegt oder gestrichen, Seiten mit derselben Aufgabe zu einer starken Seite verschmolzen. Das fühlt sich zunächst falsch an, weniger Seiten klingt nach weniger Sichtbarkeit. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Eine Seite, die ein Thema vollständig behandelt, ist als Quelle brauchbar. Fünf Anrisse desselben Themas sind es nicht. Vorsicht nur bei Seiten, die bereits gut ranken, die fasst du zuletzt und behutsam an.

Schritt 3: Begriffe vereinheitlichen

Leg eine Liste deiner zentralen Begriffe an und definiere jeden in ein, zwei Sätzen. Dann prüfst du, ob die Begriffe überall gleich verwendet werden: auf der Website, in Profilen, in Verzeichnissen. Heißt deine Leistung auf einer Seite "Beratung", auf der nächsten "Consulting" und im LinkedIn-Profil "Coaching", sieht ein Sprachmodell drei verschiedene Angebote. Wie so eine Begriffssammlung aussehen kann, siehst du an unserem eigenen GEO Glossar.

Schritt 4: Belegen statt behaupten

Geh deine wichtigsten Seiten durch und markiere jede Aussage, die nur behauptet wird. "Wir sind erfahren" ist eine Behauptung. "Wir haben seit 2005 über 200 Webseiten gebaut" ist ein Beleg. Ersetze, wo es geht, Floskeln durch Konkretes: Zahlen, Beispiele, ein echter Fall aus der Praxis, gern auch eine ehrliche Abgrenzung, was ihr nicht macht. Genau diese Stellen sind es, die Inhalte zitierfähig machen.

Schritt 5: Technik-Basics prüfen

Du musst kein Entwickler sein, um die Grundlagen zu kontrollieren. Hat jede Seite genau eine Hauptüberschrift und einen eigenen, aussagekräftigen Seitentitel? Sind die wichtigen Seiten untereinander verlinkt? Lädt die Seite ordentlich schnell, auch auf dem Handy? Und ganz wichtig im KI-Zeitalter: Sperrt deine robots.txt versehentlich die Crawler der KI-Anbieter aus? Das passiert öfter, als man denkt, und dann war alle inhaltliche Arbeit umsonst. Mehr zur inhaltlichen Seite dieser Arbeit findest du unter KI Optimierung.

Schritt 6: Domain-Historie prüfen

Ein Schritt, der fast immer vergessen wird: Vertrauen hängt auch an der Vergangenheit deiner Domain. Lief unter deiner Adresse früher etwas anderes, gab es alte Inhalte, die noch irgendwo herumgeistern, oder hat ein Vorbesitzer dort Dinge veröffentlicht, mit denen du nichts zu tun haben willst? Mit einem Dienst wie web-archive.de kannst du die Geschichte einer Domain prüfen und siehst, was zu welchem Zeitpunkt unter deiner Adresse online war. Das ist besonders wichtig, wenn du eine gebrauchte Domain übernommen hast oder eine kaufen willst, denn Systeme vergessen langsamer als Menschen.

Schritt 7: Erwähnungen aufbauen

Jetzt geht der Blick nach draußen. Pflege deine Einträge in den relevanten Branchenverzeichnissen, und zwar mit exakt derselben Selbstbeschreibung wie auf der Website. Biete dem Fachmagazin deiner Branche einen Gastbeitrag an, beantworte Fragen in Fachforen unter echtem Namen, gib der Lokalzeitung das Interview. Das muss kein Dauerfeuer sein. Eine Handvoll verlässlicher, konsistenter Nennungen pro Jahr baut mehr Autorität auf als jede kurzfristige Kampagne.

Schritt 8: Messen und dranbleiben

Zum Schluss die Routine: Stell den großen KI-Systemen einmal im Monat die zehn häufigsten Fragen deiner Kunden, formuliert wie deine Kunden sie stellen würden. Notiere, ob du genannt wirst, in welchem Zusammenhang und wer sonst auftaucht. Nach drei, vier Monaten siehst du ein Muster, und genau dieses Muster sagt dir, wo du nachlegen musst. Wie das im Detail funktioniert, steht auf unserer Seite zur ChatGPT Sichtbarkeit.


Ein realistischer Plan für die ersten 90 Tage

Zum Abschluss ein Vorschlag, wie du das zeitlich aufziehst, ohne dich zu überfordern. Monat eins gehört der Diagnose: Bestandsaufnahme, Begriffsliste, Domain-Historie, einmal die KI-Systeme mit deinen zehn Kundenfragen befragen und die Ergebnisse als Nullmessung ablegen. Das ist bewusst ein Monat ohne sichtbare Veränderung, und das ist in Ordnung, denn jede Stunde Diagnose spart später drei Stunden Umbau an der falschen Stelle. Monat zwei gehört den Kernseiten: Die zwei, drei Seiten, die Umsatz und Vertrauen tragen, werden zusammengelegt, geschärft und mit Belegen versehen. Nicht mehr, lieber wenig und fertig als viel und halb.

Monat drei gehört dem Außenauftritt: Verzeichniseinträge angleichen, Profile auf die einheitliche Selbstbeschreibung bringen, den ersten Gastbeitrag oder das erste Interview anstoßen. Am Ende des dritten Monats wiederholst du die Messung vom Anfang und vergleichst. Erwarte keine Wunder, erwarte erste Bewegungen: eine Nennung, die vorher nicht da war, eine Antwort, die deine Formulierungen aufgreift. Ab dann läuft das Programm im Erhaltungsmodus weiter, zwei bis vier Stunden pro Woche, mit der monatlichen Messung als festem Termin. Wer diesen Rhythmus sechs Monate hält, hat mehr für seine Sichtbarkeit getan als die meisten Mitbewerber im ganzen Jahr.